Jan
20

Armut – Man gewöhnt sich dran

ArmutHeute war ich mit meinem Gastbruder und einem Freund ein weiteres Mal am See Pellegrini.

Insgesamt sehr schön, bei der Hin- und Rückfahrt gingen mir aber so einige Gedanken durch den Kopf:
Hier in Argentinien ist vieles anders, ich erinnere mich, als ich am ich glaube, 2 Tag nach meiner Ankunft zum ersten Mal zum See fuhr, war ich erstaunt:
Sobald man die Stadt verlässt, befindet man sich im Niemandsland. Es gibt nichts, ein bisschen Vegetation, eventuell ein paar Heiligenhäuschen.
Doch dafür scheint diese Einöde, diese scheinbare Unendlichkeit an Platz die Argentinier dazu zu bewegen, den Müll einfach hier hinzuschmeißen. So sieht man am Straßenrand Müll, soweit das Auge reicht, größtenteils aus Plastik, ich möchte eigentlich gar nicht wissen, wie lange es dauert, bis das endlich verrottet ist.
Eine große Rolle spielt es aber nicht, da es keine Anzeichen dafür gibt, dass Argentinien sich plötzlich um Abfälle kümmert, Mülltrennung ist hier ein Fremdwort.

Nach ein paar weiteren Minuten Fahrt bekommt man dann Hütten zu Gesicht:
Nicht viel schöner als Wellblechhütten, teilweise aus Stein, teilweise aus Holz, klein, dreckig, keine geteerten Straßen, überall Schutt und Geröll.
Die paar Autos, die man zu Gesicht bekommt, sind selbst für argentinische Verhältnisse alt.

Eventuell werde ich irgendwann einmal ein Foto machen, damit man sich die Armut besser vorstellen kann, bis jetzt konnte ich das aber noch nicht mit meinem Gewissen vereinen, denn:
In welcher Welt leben wir, in der Armut zur touristischen Attraktion wird?

Aber zurück zu meinen Erlebnissen:
Argentinische Pesos - Währung ArgentinienNeben den Häusern Hütten befinden sich große Berge von fein säuberlich aufgestapelten Ziegelsteinen.

Mein Gastbruder erklärte mir, dass dort “Bolivianos” leben, die diese Ziegel brennen und verkaufen, da sie keine bessere Arbeit bekommen.
(Es ist erschreckend, wie gering die allgemeine Meinung der Argentinier von Bolivien ist, ein Argentinier, der dort war, erzählt aber immer nur, wie nett die Bolivianer sind und wie toll das Land doch ist, was hier nicht gerade auf viel Zustimmung trifft…)

Ich erinnere mich noch gut an mein Unverständnis darüber, dass mein Bruder das so sachlich, geradezu nüchtern erklärte, dass er scheinbar gar nicht bestürzt über das war, was wir da zu Gesicht bekamen.

Aber das war damals…
Heute fällt mir der Müll am Straßenrand gar nicht mehr auf, ich sehe die Hütten, sehe die Armut und sehe sie doch nicht.
Ich sehe unfruchtbare Gegenden mit Hüttenansammlungen, denen ich mich nicht näher als 100 m nähern würde, und trotzdem fehlt der Schock, fehlt die Unverständnis für diese Ungerechtigkeit.

Man gewöhnt sich dran.
Armut scheint einfach dazu zu gehören. Es kommt einem vor, als ob das eben der Lauf der Welt ist: Es gibt arme und reiche Menschen.
Schön, wenn man zu den Reichen gehört.

Es ist erschreckend, wie einfach man nach 3 Monaten die Dinge so hinnimmt, wie sie sind, dass nicht einmal die Frage aufkommt “Warum?“.

Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen und Wochen die Augen etwas weiter zu öffnen, als nur das eigene Umfeld wahrzunehmen.
Ich halte es für wichtig, alles zu hinterfragen, alles aus einer anderen Perspektive zu betrachten, alles zu kritisieren…

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4 Kommentare

  1. Ich finde die Frage spannend: Wie kommt es zu der Armut? Noch spannender vielleicht, wenn man die Menschen fragt, sowohl die Armen wie die Reichen. Und: Ob sie etwas ändern möchten und wenn ja, was. Ich denke mir, bei dem “was” werden erst die großen Unterschiede deutlich und auch die Ängste der jeweilig anderen Seite.
    Ich bin gespannt.
    Peter

  2. “was” will man den dagegen machen ? Ist man selber bereit seinen eigenen Reichtum für andere zu Opfern ? Ich muss da ganz ehrlich sein, auch wenn es egoistisch klingt, ich würde es warscheinlich nicht machen. Und jeder der jetzt was anderes sagt, soll jetzt sofort 50% seines Geldes spenden.

    Unseren Reichtum haben wir vorallem dadurch das unsere Vorfahren hart dafür gearbeitet haben, um Ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

    Was wir machen können ? Wir können aus meiner Sicht lediglich in der Ausbildung und bei Technischen Fragen helfen. Denn wir mit Subventionen oder Hilfslieferungen andauernd unterstützen bring die das dort nicht sehr viel weiter oder lediglich für den Moment.Auch wenn wir dort Firmen bauen hilft das lediglich für den Moment denn wenn diese Firma irgentwann Pleite ist, stehen Sie wieder ohne alles da .

    Z.B. ein Mann erbt Land, er entschließt sich Bauer zu werden um sich und seine Familie endlich aus der Armut zu befreien. Er kauf Maschienen und Arbeitet sich Monate lang den Rücken krumm. Dann kann er endlich ernten. Nätürlich muss er einen Teil der Ernte verkaufen um andere Dinge einzukaufen. Aber in diesem Moment kommt ein UN Hilfslastwagen und bring einen ganzen LKW voll Essen. Für umsonst. Nätürlich stürzen die Preise auf den Örtlichen Märkten ins Bodenlose, da nun keiner mehr etwas kaufen muss. Bis die Preise wieder gestiegen sind ist die gesamte Ernte des Bauern verfault und er kann sie wegschmeißen. Natürlich hat er jetzt kein Geld mehr und muss seine Arbeit als Bauer aufgeben um irgentwie Geld für die Familie zu beschaffen.

    Und dies ist so ein ewiger Kreislauf.

    Deswegen so hart es auch klingen Mag. Am Ende müssen Sie doch ihren eigenen Weg finden.

    Dazu MEINE Meinung… Sag mir eure damit ich mal ein paar andere Ansichen bekomme :)

    Wer rechtschreibfehler findet darf Sie behalten :)

    lg Michi

  3. “Deswegen so hart es auch klingen Mag. Am Ende müssen Sie doch ihren eigenen Weg finden.”

    Ah und warum sind die Menschen arm?
    Weil sie zu faul sind?
    Weil sie keinen Bock haben zu arbeiten?
    Weil sie in der Schule nichts gemacht haben?

    Im Grunde sind sie aus anderen Gründen arm:

    • weil ihre Eltern schon arm waren
    • weil sie kein Geld für Bildung haben
    • weil in ihrem Land die Wirtschaft von korrupten Millionären beherrscht wird
    • weil sie eine andere politische Meinung haben
    • weil sie einem anderen Land / einem anderen Volk angehören

    Dann lass mal die Leute ihre eigenen Wege gehen.
    Wie soll man denn einen guten Job kriegen, wenn man weder Lesen noch Schreiben kann?
    Wie soll man ohne Eltern mit gutem Job Lesen und Schreiben lernen?

    Das ist doch der Teufelskreislauf.

  4. sag ich doch .

    Sie müssen sich langsam nach oben arbeiten.
    So wie es unsere Eltern und Großeltern es auch gemacht haben. Oder denkst du bei uns sind die Gelder für Schulen und Universitäten vom Himmel gefallen ? Oder denkst du das es bei uns nie korrupte Millionäre gab ….

    Naja ich hab auch irgentwie kein lust mit dir darüber in einem Online Blog zu diskutieren. Wir können ja mal drüber reden wenn du wieder hier bist.

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